|
Das Schulwesen Die Geschichte des Schulwesens kann bis zum 19. Jahrhundert nur an einigen wenigen Belegen angedeutet werden, da auf diesem Gebiet noch keine umfassenden Forschungen angesetzt wurden und die bekannten Quellen zu wenig Aussage für eine gerechte Beurteilung ergeben. Als erste pädagogische Einrichtung wird 1381 eine Knabenschule unter dem »rector puerorum« Hermann Countemannus erwähnt. Wahrscheinlich wurde diese Institution bereits vom Stift und der Stadt gemeinsam unterhalten. Die Existenz einer mittelalterlichen Lateinschule in kirchlicher Obhut konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Die Schulmeisterstelle war mit dem Chordirigentenposten oder dem Sigristenamt zusammengelegt. Auch der Zeitpunkt der Einführung der allgemeinen Schulpflicht für die Jungen und später für die Mädchen, ist unbekannt. Die Aufsicht über das städtische Schulwesen lag beim Magistrat und wurde je nach politischer und wirtschaftlicher Situation unterschiedlich streng beachtet.
Mit dem schnellen Anwachsen der Bevölkerung im Gefolge der aufblühenden Textilindustrie reichte das vorhandene Bildungspotential nicht mehr aus und ließ den Ruf nach der Einrichtung einer höheren Bürgerschule laut werden. Nach einem Beschluss des Gemeinderats wandte man sich an das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg und bat um die Anstellung eines zweiten Kaplaneiverwesers, der den schon in Schuldiensten wirkenden Seelsorger in seiner Arbeit unterstützen sollte. Das Konzept einer Weiterführung der Knabenschule nach dem 4. Schuljahr mit erweitertem Lehrplan wurde genehmigt. Am 23. April 1863 nahm die Schule unter dem Lehrer Karl Villinger im Rathaus ihren Betrieb auf. Die sprachlichen und geschichtlichen Fächer erteilten die Inhaber der Kantorei- und Allerheiligenpfründe, die allerdings mit großem Personalwechsel verbunden waren, da die jungen Theologen naturgemäß nach besser dotierten Pfründen Ausschau hielten. Gegen Ende der siebziger Jahre
des vorigen Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, daß
das Säckinger Schulmodell den vierjährig
weitergeführten Bürgerschulen nicht ebenbürtig
war. Nach Ostern 1876 wurde der Schulunterricht Die großzügige und weitblickende Unterstützung des Schulwesens war vor allem von den Mitgliedern des Rats erfolgt, die auch in ihren privaten Industrieunternehmen den Wert einer umfassenden Ausbildung erkannt hatten. Bald nach der Fertigstellung des Gebäudes zeigte sich die finanzielle Belastung für die Stadt in kaum erträglicher Höhe, zumal die Bürgerschule als städtische Einrichtung über keine staatlichen Fördermittel verfügen konnte. Eine breite Bewegung gegen den »Schulpalast« und ständig anwachsende Schulden führten im Frühjahr 1881 zur Schließung der Bürgerschule. Doch einige Jahre danach erkannte man die Notwendigkeit einer Neueinrichtung und betrieb am 15. September 1892 nach allgemein gültigen staatlichen Vorschriften die Wiedereröffnung. Zur Geschichte des Scheffel-Gymnasiums Mit der Angliederung einer vierten Klasse (Tertia) wurde der Standard einer vierklassigen höheren Schule erreicht. Im Schuljahr 1899/1900 öffneten sich zum ersten Mal die Pforten der Anstalt für 16 Mädchen. Vor Beginn des Ersten Weltkriegs wandelte sich die Bürgerschule mit dem Erreichen der Sekundarstufe zur Realschule. Die nachfolgende Kriegslage dezimierte das Lehrerkollegium durch Einzug zum Heeresdienst. Eine größere Gruppe von älteren Schülern wurde zur Mithilfe bei landwirtschaftlichen Arbeiten beurlaubt. Nach dem Krieg erfolgte auf Antrag des Bürgerausschusses und des Gemeinderats eine Umgestaltung der Säckinger Anstalt zum Realprogymnasium. Erstmals mussten zweizügige Anfangsklassen gebildet und neue Räume der Volksschule in Anspruch genommen werden. Nach mehreren Eingaben an das Unterrichtsministerium konnte die Stadt den Ausbau des Progymnasiums zur neunklassigen Vollanstalt durchsetzen und im Ankauf der Villa Bally ein geeignetes Schulgebäude erwerben. An- und Umbauten machten den alten Fabrikantensitz für schulische Zwecke brauchbar. Am 20./21. Februar 1929 bestanden die ersten elf Schüler des Gymnasiums Säckingen mit gutem Erfolg ihr Abitur. Die anschließenden unguten Jahre wirtschaftlicher Scheinblüte trugen auch in Säckingen ihre Früchte und bewirkten zum Ende des Jahres 1932 einen regierungsamtlich verfügten Abbau der Säckinger Vollanstalt. 1933 konnte die letzte Abitursklasse entlassen werden. Die nationalsozialistische Ära mit ihrer intensiven Jugendarbeit bedingte starke Veränderungen der Lehrpläne und -stellen. Trotz einer parteiorientierten Selektion der Lehramtsvertreter blieben in Säckingen Auswüchse gesteigerter politischer Aktivität aus und genügten den offiziellen Verlautbarungen. Am 1. April 1938 erhielt die Oberschule Säckingen wieder ihren neunklassigen Ausbau zum Vollgymnasium zugestanden. Der Kriegsausbruch 1939 lichtete wiederum die Reihen der Lehrer und Schüler. Dennoch konnte bis 1943 der Schulbetrieb aufrecht erhalten werden. Ab diesem Zeitpunkt ließ der steigende Bedarf an Soldaten und Offiziersanwärtern die Gymnasialausbildung bereits nach der 7. Klasse mit einem Reifevermerk enden. Die Schüler der unteren Stufen leisteten mit Sammelaktionen und Hilfsarbeiten der angeschlagenen Kriegswirtschaft ihren Beitrag. Die Besetzung Säckingens durch französische Streitkräfte am 25. April 1945 brachte eine mehrmonatige Unterbrechung des Schulbetriebs mit sich. Die meisten Räumlichkeiten der Schulen wurden vom Militär besetzt und zum Teil geplündert. Die mühevolle Aufgabe des Wiederbeginns lag seit 1945/46 in Händen des in Säckingen geborenen Philologen Dr. Otto Hilpert. Diesem oblag es vor allem, in den Nachkriegsjahren den Boden zum Bau einer neuen Vollanstalt gegen den heftigen Widerstand verschiedener Seiten vorzubereiten und mit der tatkräftigen Unterstützung von Stadtverwaltung und Gemeinderat zu verwirklichen. Nach mancherlei Kämpfen konnte am 12. September 1953 der Grundstein zum Neubau des Säckinger Gymnasiums gelegt und zu Ostern 1955 das modern gestaltete Schulgebäude in Betrieb genommen werden. Als Bestandteil einer integrierten Stadtentwicklungsplanung wurde für Säckingen im Jahre 1972 mit der Neuorganisation des Schulwesens begonnen. Auf der Grundlage des Schulentwicklungsplanes nahm man die entscheidenden Organisationsveränderungen vor. Die bisher auf die Hindenburgschule und Hans-Thoma-Schule verteilten Hauptschulen wurden im Schulzentrum Hans-Thoma -Schule zusammengefasst. Die in Baracken untergebrachte Sonderschule für Lernbehinderte verlegte man in das Gebäude der Hindenburgschule und übertrug deren Trägerschaft dem Landkreis Waldshut. |
|
Zeittafel zur Entwicklung der Schule in Bad Säckingen Stadtschule: 1381: ein Hermann
Countemannus wird als "rector pueorum" geführt,
was auf eine Knabenschule schließen lässt. Höhere Schule 1814: Die
Schulverhältnisse Badens werden im Zuge des allgemeinen
Staatsaufbaus neu geordnet. Es bestand die Möglichkeit einer
Erweiterung, doch Säckingen hatte kein Bedürfnis
dafür. Neubau des Schulhauses 1875: Einrichtung von
zwei Schulsälen im Hinterhaus des Anwesens Malzacher wegen
Überfüllung des Rathauses. 1919, 16.6.: Gründung
"Elternverein Realgymnasium Säckingen".
1999: Planung für Erweiterungsbau
des Scheffel-Gymnasiums.
|
Die Geschichte des Scheffel-Gymnasiums
Die Stadtschule
Im Gegensatz zu den beiden linksrheinischen Schwesterstädten Laufenburg und Rheinfelden, die Lateinschulen aus Kaplaneipfründen ihr Eigen nennen konnten, scheinen die rechtsrheinischen Waldstädte Säckingen und Waldshut bis zum Ende der österreichischen Herrschaft nur gewöhnliche Stadtschulen besessen zu haben. Ihre Existenz ist in Säckingen bis in das Jahr 1381 nachvollziehbar. Sie war von Anfang an eine bürgerliche Einrichtung, abhängig von der städtischen Behörde und der Vorsteherin des Damenstifts.
Jede Stadt und jede größere Dorfgemeinde richtete die Schule nach eigenen Bedürfnissen und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ein. Die Folgen konnten nicht ausbleiben : denn je nach den politischen Ereignissen, Krieg oder Frieden, blühten die Schulen oder fielen der Verelendung oder Auflösung anheim. Unter der Regentschaft von Maria Theresia wurde das Schulwesen in den k.k. Erbländern deshalb auf eine neue, einheitliche Grundlage gestellt. Es entstanden Normalschulen (Lehrerseminare), in denen die Schulmeister "abgerichtet" und von wo aus die "geprüften" Lehrer in die Städte und Dörfer gesandt wurden. Musterschulen dienten der dezentralen Unterrichtung von Lehrern in den neuen Lehrmethoden. Im Gegensatz zu Laufenburg verdiente sich die Säckinger Stadtschule nicht den Titel einer Musterschule.
Höhere Bürgerschule
Die Höhere Schule in der nach 1805 badisch gewordenen Stadt Säckingen entwickelte sich unmittelbar aus der bestehenden Stadtschule. Allerdings vollzog sich diese Entwicklung in Säckingen nur zögerlich, da im Gegensatz etwa zu Waldshut noch kein Bedürfnis zur Erweiterung gesehen wurde.
Erst mit der industriellen Entwicklung und zunehmender Wohlhabenheit der Bevölkerung in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch das Geistesleben in allen Volksschichten mehr als bisher geweckt. Geistiger Auftrieb wurde allenthalben sichtbar und der Ruf und die Forderung nach einer besseren Schulbildung konnte nicht mehr überhört werden. Am 21. März 1863 wurde der einstimmige Gemeinderatsbeschluss zur Einrichtung einer Höheren Bürgerschule gefasst, der Großherzogliche Oberschulrat erteilte am 8. Mai desselben Jahres die staatliche Genehmigung unter dem Vorbehalt, dass die geistlichen Lehrkräfte ihre Befähigung in der gesetzlich vorgeschriebenen Weise nachgewiesen und von der Staatsbehörde ihre Anstellung erlangt hätten.
Gegen Mitte der 70er Jahre vollzog sich bei der einsichtigen Einwohnerschaft und den führenden Köpfen der Stadtverwaltung deutlich ein Wandel im Urteil über die städtische Bürgerschule. Man bemängelte sehr, dass die bislang zweiklassige Anstalt, für die sämtliche Aufwendungen von der Stadtkasse getragen wurden, hinsichtlich ihrer Leistungen und für spätere Berufsmöglichkeiten naturgemäß nicht das vermittelte, was die vierklassigen, staatlichen höheren Bürgerschulen in vielen Städten boten.
Um Abhilfe zu schaffen, sollten beruflich wie fachlich ausgebildete Laienlehrer verpflichtet werden. Die Stelle des Vorstandes der Bürgerschule wurde vom Gemeinderat mit Angabe des Besoldungssatzes von 2572 Mark öffentlich ausgeschrieben. Unter den Bewerbern erhielt der Rektor Johann Huber von der Bezirksschule Baden (Kanton Aarau) die Zuteilung.
Seine Amtszeit fällt zusammen mit dem Schulhausneubau auf dem Gewann "Im Hof" in den Jahren 1876-79. Infolge ständig weiteren Anwachsens der städtischen Bevölkerung und der damit bedingten Zunahme der schulpflichtigen Kinder wurden die räumlichen Verhältnisse im bisherigen Schulhaus unerträglich und ein Neubau zur gebieterischen Notwendigkeit.
Am 4. November 1879 erfolgte unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Einweihung des neuen Schulgebäudes, der heutigen Hindenburgschule. Die Kosten von ca. 354.995 Mark wurden in voller Höhe von der Stadt Säckingen getragen und über zwei Darlehen getilgt.
Nach einer kurzzeitigen Aufhebung der Höheren Bürgerschule, begründet in den hohen Kosten, die Schule und Lehrer dem Stadtsäckel verursachten, wurde ab 1890 erneut der Versuch unternommen, eine Höhere Bürgerschule einzurichten, diesmal allerdings als staatliche Schule, bei der die Gehälter der Lehrer vom Land Baden beglichen wurden. Am 15. September wurde die neue Bürgerschule nach den staatlichen Satzungen für derartige Anstalten mit zwei Klassen und zusammen 47 Schülern eröffnet.
Im Schuljahr 1894/95 erreicht die Anstalt mit der Angliederung der 4. Klasse (Tertia) die Form einer vierklassigen Höheren Bürgerschule.
Realgymnasium
Das Schuljahr 1910/11 brachte der Schule, die steigend an Ansehen und Bedeutung gewann, die längst erwünschte Abschlussklasse Untersekunda mit der Berechtigung zum "Einjährigen". Durch diese Erweiterung wurde die Höhere Bürgerschule zur Realschule, bestehend aus sechs Klassen mit wahlfreiem Latein. Der bisherige Vorstand erhielt den Titel Direktor.
Realprogymnasium
Mit dem Schuljahr 1920/21 wurde der Lehrplan des Realgymnasiums in allen Klassen durchgeführt. Die Anstalt führte deshalb seit Herbst 1920 die Bezeichnung Realprogymnasium.
Aus pädagogischen Gründen, aber auch auf besonderen Wunsch einer Mehrheit von Eltern, wurden die Parallelklassen ab Ostern 1923 vollständig oder vorzugsweise als Knaben- bzw. Mädchenabteilungen geführt.
Große Freude löste bei Eltern und Schülern die Nachricht aus, dass das Unterrichtsministerium durch Entschluss vom 2. April 1925 dem von der Stadtgemeinde gestellten Antrag auf Erweiterung der Anstalt durch Angliederung der Klasse Obersekunda (O II) entsprochen hatte. Damit hatten die seit 1918 unternommenen Bemühungen des Beirats und der Stadtverwaltung um den Ausbau der Anstalt zu einem ersten Erfolg geführt.
Am 10. März 1927 hatte der Bürgerausschuss mit großer Mehrheit (72 gegen 2 Stimmen) erneut den Beschluss gefasst, die Anstalt zu einer neunklassigen Vollanstalt auszubauen und wegen der Unzulänglichkeit der in der Hindenburg-Schule vorhandenen Räume für das künftige Realgymnasium einen Neubau zu erstellen.
Da die Stadt sich auch bereit zeigte, die erforderlichen Mittel aufzubringen, stand der Genehmigung von Seiten der Regierung nichts mehr entgegen. Die beiden Primen (U I und O I) sollten vorläufig behelfsmäßig noch im alten Volksschulgebäude untergebracht werden.
Mit diesen Entschlüssen hatte die Stadtverwaltung im Jahre 1927 eine Gesinnung und Entschlossenheit an den Tag gelegt, die in nichts hinter dem Wagemut und der Fürsorge der Stadtväter von 1870 zurückstand.
Mit der Eröffnung des Schuljahres 1927/28 wurde die Klasse Unterprima (U I) neu errichtet. Die Frage eines Neubaues für die künftige Vollanstalt wurde weiter verfolgt.
An einer Besichtigung der bisherigen Schulräume und etwaiger Bauplätze nahm auch der bautechnische Referent des Unterrichtsministeriums, Professor Dr. Cäsar, Karlsruhe, teil. Die Unzulänglichkeiten traten vor allem bei den natur- wissenschaftlichen Lehr- und Sammlungsräumen zu Tage. Da auch die Volksschule Raumschwierigkeiten hatte, wurde ihr für die Nachmittage ein kleines Zimmer im 3. Stock zur Verfügung gestellt.
Die Vollanstalt
Der Abschluss dieser Entwicklung hatte die Raumschwierigkeiten im Volksschulgebäude noch weiter vermehrt. Der Zeichensaal (Aula) und zwei Klassenzimmer mussten von der Volksschule in 28 Wochenstunden mitbenutzt werden. Die Raumfrage für beide Schulen verlangte somit unerbittlich eine Lösung.
Im Mai 1928 besichtigte Unterrichtsminister Dr. Lehrs das bisherige Schulhaus und das Ballysche Anwesen. Da verschiedene für einen Neubau in Aufsicht genommene Bauplätze ausschieden, leitete Bürgermeister Trunzer mit der Familie Bally unter Beteiligung der Stadträte Häfner, Krott und Bub und des Direktors Brossmer Verhandlungen ein, die zum Kauf des Anwesens Bally führten. Dieses sollte vorerst als Schulgebäude für die Anstalt dienen. Der Bürgerausschuss genehmigte in der Sitzung vom 27. Juni den Ankauf der Villa mit Park zum Preise von 130000 Mark. Das Anwesen ging am 1. März 1929 in den Besitz der Stadt über. Architekt Mildenberger wurde mit der Anfertigung eines Planes für den Umbau der Ballyschen Villa zu einem Schulhaus und eines Entwurfs für den späteren Ausbau zur Aufnahme der Gesamtanstalt beauftragt.
Die Villa Bally konnte nur den fünf oberen Klassen Unterkunft bieten; die vier unteren mussten also vorläufig im 3. Stock der Volksschule verbleiben.
Am 12. September 1929 übergab Bürgermeister Trunzer in einem feierlichem Akt im Ballypark, wo die Schule mit ihrer Lehrerschaft und zahlreiche Vertreter der Behörden sich versammelt hatten, die zu einem Schulhaus umgestaltete Villa Bally als das Schulische Hauptgebäude des Realgymnasiums. Mit dem Einzug der oberen fünf Klassen in das neue Heim war vorerst die schlimmste Raumnot für das Realgymnasium und auch für die Volksschule behoben.
Ab Ostern 1930 führte die Anstalt die Bezeichnung Scheffel – Realgymnasium.
Auf die wirtschaftliche Scheinblüte nach Einführung der festen Markwährung im Jahre 1924 folgte zu Beginn der 30er Jahre wirtschaftlicher Niedergang und große Arbeitslosigkeit, die den Staat zu Notverordnungen und strengen Sparmaßnahmen zwangen. Von ihnen wurden auch die Schulen betroffen. Als im Sommer 1930 die Säckinger Anstalt unter denjenigen genannt wurde, die für den Abbau ausersehen waren, setzten sich die Stadt und einzelne Bezirksgemeinden zur Wehr. In Rheinfelden fand am 1. Juli eine Protestkundgebung statt. Die Stadt Säckingen selbst erklärte sich bereit, die Kosten für die zwei Primen, die "eingehen" sollten, zu bestreiten. In der Tat hätte nach einer rechnerischen Darlegung in einer Säckinger Tageszeitung die Beibehaltung der beiden Klassen keine nennenswerte Mehrbelastung des Schulbudgets verursacht. Die Staatsregierung ging indessen von ihrem Entschluss nicht ab; durch Erlass vom 28. Oktober 1931 wurde der stufenweise Abbau der beiden Primen angeordnet. Diese Maßnahme wurde weithin als ein schwerer Schlag empfunden für Säckingen, das für den Aufbau der Anstalt und die Beschaffung der nötigen Schulräume so große Opfer gebracht hatte. Auch weitere Versuche zur Rückgängigmachung des Regierungserlasses blieben erfolglos . Beim Schlussakt am 21. März 1932 kam Direktor Poff noch einmal auf den "leider unumgänglichen Abbau" zu sprechen und dankte der Stadtverwaltung für die großen Bemühungen um Erhaltung der Vollanstalt.
Aus Ersparnisgründen wollte die Stadt im Herbst 1936 auch die O II eingehen lassen. Dieses Ansinnen lehnte Direktor Stiewing entschieden ab, weil das zu einer starken Abwanderung von der Säckinger Anstalt geführt hätte.
Nach der Rückkehr des Direktors Stiewing nach Karlsruhe (Fichteschule) wurde nach Ostern 1937 Professor Dr. Ernst Kiefer, bisher kommissarischer Direktor in Meßkirch, mit der Leitung der Säckinger Anstalt betraut. Sein vordringliches Ziel war die siebenklassige Oberschule, die seit 4. September 1937 die amtliche Bezeichnung "Scheffelschule, Oberschule für Jungen" (Nicht-Vollanstalt) führte, wieder aufwärts zu führen, womöglich zur achtklassigen Vollanstalt, wie sie das neueste Schulgesetz vorsah. Direktor Kiefer wurde zusammen mit dem Bürgermeisterstellvertreter Grießer persönlich in Karlsruhe vorstellig zwecks Erweiterung seiner Schule zur Vollanstalt. Er wies auf die besondere Grenzlage und die damit verbundene kulturpolitische Bedeutung hin. Mehrere größere Städte und Gemeinden wie Rheinfelden, Wehr, Laufenburg, Murg usw. mit ihrer starken Industrie hätten größere Interesse am Bestehen einer Vollanstalt in ihrer Nähe. Die nötigen Räume seien durch den Erwerb des Bally-Anwesens, das ja nur im Hinblick auf die seinerzeit genehmigte Vollanstalt ausgebaut worden sei, vorhanden. Die finanziellen Verhältnisse seien zufrieden stellend, etwaige Mehraufwendungen würden von der Stadt getragen werden. Am 23. März 1938 wurde der Ausbau zur Vollanstalt mit Wirkung vom 1. April 1938 genehmigt. Das Schulgebäude gewann im Sommer 1938 durch einen Anbau zwei schöne und lichte Räume, in denen die Klassen 7 und 8 untergebracht wurden.
Nach der Besetzung Säckingens am 25. April 1945 wurden die Klassenzimmer zwar zunächst wieder für Schulzwecke freigegeben. Aber die nachfolgenden französischen Kampftruppen richteten in dem Schulgebäude allerlei an. was nicht zerschlagen wurde, wurde mitgenommen. An den Verwüstungen und Diebereien hatten leider auch Deutsche Anteil; denn alle Bande von Zucht und "frommer Scheu" waren in jenen Tagen gelöst. Nach einem Stillstand von mehreren Monaten verlangte die Besatzungsbehörde, dass die Jugend wieder einen geordneten Unterricht erhalte. Aber zuerst mussten Schulräume und Möbel beschafft und Bibliotheken und Kartenzimmer "gesäubert" werden. Deshalb wurde sofort nach dem Einmarsch beschlagnahmt und im "Gouvernement" verwahrt. Im September 1945 wurde ein Teil zurückgegeben. 13 Erdkundekarten, 8 Karten über Rassenkunde, 5 technische Wandkarten wurden zurückbehalten. Um Lehrkräfte für den Wiederbeginn des Unterrichts zu erhalten, wurden Fragebogen in mehreren Ausfertigungen über jede einzelne Person verlangt. Als man auf baldige Eröffnung des Unterrichts im September hoffen konnte, entstand unerwartet eine neue große Schwierigkeit: Das Bally-Haus sollte Kinderheim werden, und es erging der Befehl, dass das Gebäude bis zum 3. September zu räumen sei. In Wirklichkeit war es für einen anderen Zweck bestimmt. Das zweite Bataillon des Inf.-Rgt. 35 wurde dort untergebracht. Die Räumung wurde sofort unter militärische Aufsicht eilig durchgeführt und alles Inventar der Klassenzimmer und der anderen Räume nach dem Volksschulgebäude gefahren und im 3.Stock wahllos aufgehäuft. Dabei gerieten wertvolle Bücher, Apparate und andere schulische Gegenstände in Verlust. Im 3.Stock der Volksschule wurden der Scheffelschule acht Räume überlassen. Dort wurde bis ende November 1945 unterrichtet ohne Hefte, ohne Lehrbücher, ohne Schreibzeug, bei schlechter Verpflegung von Kindern und Lehrern.
Am Mittwoch, 10.November 1945, fand die Feier der Wiedereröffnung des Unterrichts in der Aula statt.
Direktor Dr. Dietrich hatte mitten im Sommer 1945 einen Säckinger Posten aufgegeben und sich der Unterrichtsverwaltung im Landesbezirk Nordbaden in Karlsruhe zur Verfügung gestellt.
Seit der Jahreswende 1945/46 stand an der Spitze der Säckinger Anstalt Dr. Otto Hilpert, ein gebürtiger Säckinger, hatte er selbst auch einige Klassen dieser Schule besucht, bevor er an ein altsprachliches Gymnasium übertrat. Er war bis zu seiner Berufung in seine Heimatstadt Studienrat in Schopfheim. Dr. Hilpert trat in den letzten Tagen des Jahres 1945 noch einen Dienst an.
Schon im Jahre 1949 war er an die Stadtverwaltung herangetreten wegen eines Erweiterungsbaues zur Villa Bally, der fürs erste einmal den 150 Schülern, die zu der Schülerzahl vom Jahre 1929 hinzugekommen waren, Raum bieten sollte. Mündliche wie schriftliche Vorstellungen in der gleichen Sache folgten. So nahm sich denn Bürgermeister Friedrich Fehrenbach bald nach seinem Amtsantritt im Jahre 1951 dieser vordringlichen Aufgabe der Stadt an. Er prüfte die Unterlagen, ließ sich von Schulmännern und Baufachleuten eingehend beraten und kam dabei zu dem wohlerwogenem Schluss, das der Anbau, mit dem Direktor Dr. Hilpert sich in Anbetracht der damaligen Verhältnisse hatte bescheiden wollen, keine wirkliche Lösung der Schulraumnot bedeute, dass damit vielmehr bei relativ hohen Kosten nur ein baulich wie praktisch unbefriedigend Provisorium herauskommen könnte.
Freilich, die Größe des Projektes und seine Bedeutung für die breite Öffentlichkeit riefen auch die öffentliche Meinung auf den Plan. Aus allen Kreisen der Bevölkerung wurde freudige Zustimmung laut, denn längst hat ja die höhere Schule aufgehört, Standesschule zu sein. Trotz der deutlich erkennbaren Breitenwirkung des neusprachlichen Gymnasiums, das jedem dafür Aufgeschlossenen und Begabten echte Bildungswerte vermittelt, gab es aber auch viele Stimmen, die gegen den Plan eines Gymnasium-Neubaues auftraten. Finanzielle wie ideologische Gründe wurden geltend gemacht. Sitzungen, Versammlungen, Presseberichte, wurden zum Spiegel der öffentlichen Meinungen. Der Gemeinderat befasste sich in mehreren Sitzungen mit dem Projekt eines Neubaus. Direktor Dr. Hilpert wies in seiner Ansprache anlässlich der Schuljahrsschlussfeier 1951 nochmals eindringlich auf die Notwendigkeit einer baldigen Lösung hin.
Am 9. April 1952 beschloss der Gemeinderat in einer denkwürdigen Sitzung den Neubau des Scheffelgymnasiums im ehemaligen Bally-Park.
Während des Richtfestes wurde die Hoffnung laut, das man den Bau im Spätherbst 1954 beziehen könne, um so mehr, als an Ostern 1954 ein ungeahnter Zustrom von neuen Sextanern einsetzte und die Schülerzahl auf rund 460 hochschnellen ließ.
Innenplanung und mancherlei Verzögerungen ließen den Bau erst nach Ostern 1955 fertig werden, als Schmuckstück der Stadt und als eines der schönsten und modernsten Schulhäuser landauf, landab.
(Quelle: Festschrift zur Einweihung des neuen Hauses am 14. Mai 1955; Herausgegeben von der Direktion des Gymnasiums Säckingen)