Gallusturm
Noch älter als der gotische Bau des Fridolinsmünsters ist der gewaltige Gallusturm auf der Ostspitze der ehemaligen Inselstadt Säckingen.
Anlass zu seiner Errichtung war nach einem zeitgenössischen Bericht eine verheerende Überschwemmung der Stadt (1343), die zahlreiche Häuser
niederriss und die Bewohner zur überstürzten Flucht zwang. Neben seiner Funktion als
Wellen- und Eisbrecher im sich teilenden Strom diente das massive Bollwerk als bedeutsame Verteidigungsstellung gegen Angriffe vom nahen rechtsseitigen Rheinufer. Im 16. Jahrhundert
musste der Turm der gewandelten Kriege- und Waffentechnik angepasst werden. Nach innen gestufte Schieß-Scharten durchbrachen das dicke Mauerrund und prägten sein trutziges Aussehen. In Friedenszeiten nahm sich die städtische Bürgerwehr den Turm zum Ziel ihrer Schießübungen. Vom alten Schützenhaus, das sich an der steinernen Brücke erhob, gaben die Wehrleute ihre Schüsse auf farblich
gefasste Steine der Rundmauer ab.
In der Neuzeit verlor der Gallusturm seine militärische Bedeutung. Zeitweise fanden bedürftige Bewohner der Stadt hier ihre Unterkunft. Er barg unter seinem runden Dach die städtischen Altertums- und Kunstsammlungen, bis das
Schloss Schönau diese Schätze aufnehmen konnte. Seit 1973 haben sich die Mitglieder der Narrenzunft Bad Säckingen den gewaltigen Bau als »Bollwerk gegen Trübsal« geschmackvoll eingerichtet und erfüllen den einst kriegerischen Ort mit heiterer Lebensart.
Im Schatten des wehrhaften Bauwerks plätschert der Gallusbrunnen. Auf seinem alten Brunnenstock ruht ein Kunstwerk der Gegenwart. Die Bronzeplastik von Prof. Henselmann, St. Gallus mit seinem gezähmten Bären, erinnert an einen weiteren großen Missionar des Alemannenlandes und an die Zeit, da die Klöster Säckingen und St. Gallen gemeinsam die Landschaften beidseits des Rheins kultivierten.
Diebsturm
Das Gegenstück zum mächtigen Gallusturm bildet der im Westen der Altstadt gelegene Diebsturm.
Von seiner vorgeschobenen Position am Rhein zog sich die alte Stadtmauer zur sogenannten »Heidenschaft«, einem weiteren Verteidigungswerk (Bereich Scheffel-/Hauensteinstraße), bis hin zum rechtsseitigen
Flussarm.
Eine Stadtansicht von Matthias Merian (1640) zeigt einen zweigegliederten Bau auf kreisrundem Fundament, achteckigem Obergeschoß und Spitzhelm.
Die im 19. Jahrhundert vorgenommenen Maßnahmen zur Erhaltung des zerfallenden Turmes haben sein Erscheinungsbild stark verändert. Nach dem Kunstempfinden der Spätromantik entstand ein neogotisches Bauwerk mit großen Fensteröffnungen und einem mit Zinnen bewehrten Mauerkranz. Stuckdecken und schön gemasertes Holzgetäfer schmückten die drei übereinander liegenden Räume. Der alte Wehrbau wandelte sich zum Ort kulturellen Schaffens. Musiker und Kunstmaler erwählten den reizvoll gelegenen Turm zum Atelier und zur Wohnung.
Nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten im Jahre 1980 kehrten die Freunde der Mal- und Zeichenkunst zurück. Malklassen der Volkshochschule Bad Säckingen sorgen unter der Leitung des Kunstmalers Werner Dietz für die Fortführung der künstlerischen Tradition.